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<title>Löb Scheuer</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Löb Scheuer</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Juda Löb Scheuer</b>, auch <i>Jehuda Löb Scheuer</i>, <i>Judah Löb Abraham Scheuer</i> oder <i>Löb Aron Scheuer</i> (* <a href="1733" title="1733">1733</a> in <a href="Frankfurt_am_Main" title="Frankfurt am Main">Frankfurt am Main</a>; † <a href="24._Januar" title="24. Januar">24. Januar</a> <a href="1821" title="1821">1821</a> in <a href="D%C3%BCsseldorf" title="Düsseldorf">Düsseldorf</a>), war ab 1779 <a href="Rabbiner" title="Rabbiner">Landesrabbiner</a> des <a href="Herzogtum_J%C3%BClich-Berg" title="Herzogtum Jülich-Berg">Herzogtums Jülich-Berg</a>, ab 1806 Landesrabbiner im <a href="Gro%C3%9Fherzogtum_Berg" title="Großherzogtum Berg">Großherzogtum Berg</a>. Im <a href="K%C3%B6nigreich_Preu%C3%9Fen" title="Königreich Preußen">Königreich Preußen</a>, dem staatlichen Rahmen seiner Tätigkeit ab 1815, fungierte er bis zu seinem Tod als Rabbiner der <a href="J%C3%BCdisches_Leben_in_D%C3%BCsseldorf" title="Jüdisches Leben in Düsseldorf">jüdischen Gemeinde Düsseldorfs</a>. Er bildete 42 Jahre lang zahlreiche Schüler aus, von denen viele selbst Rabbiner wurden.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<p>Scheuer, Sohn des Rabbiners Aron-Arend Scheuer und dessen Ehefrau Caroline Schiff, war ab 1776 Vize-Landesrabbiner der <a href="Grafschaft_Lippe" title="Grafschaft Lippe">Grafschaft Lippe</a> in <a href="Detmold" title="Detmold">Detmold</a>, ehe er 1779 zum Landesrabbiner des Herzogtums Jülich-Berg mit Sitz in Düsseldorf bestellt wurde. Als im Zuge des <a href="Erster_Koalitionskrieg" title="Erster Koalitionskrieg">Ersten Koalitionskriegs</a> in den Jahren 1794/1795 das <a href="Linkes_Rheinufer" title="Linkes Rheinufer">Linke Rheinufer</a> von der <a href="Erste_Franz%C3%B6sische_Republik" title="Erste Französische Republik">Französischen Republik</a> besetzt und in der Folgezeit annektiert wurde, verkleinerte sich sein Sprengel auf das Gebiet des <a href="Herzogtum_Berg" title="Herzogtum Berg">Herzogtums Berg</a>. Als 1806 das <a href="Gro%C3%9Fherzogtum_Berg" title="Großherzogtum Berg">Großherzogtum Berg</a> entstand, wurde den jüdischen Vorständen auch im verbleibenden Gebiet das Exekutionsrecht für die <a href="Kirchensteuer_(Deutschland)#19._Jahrhundert" title="Kirchensteuer (Deutschland)">Kultussteuer</a> entzogen. Sein Amt übte Scheuer zunächst unentgeltlich weiter aus.
</p><p>In einem Schreiben vom 10. Juli 1809 stellte Scheuer gegenüber der neuen Regierung seine Sprengelgrenzen, Rabbinerfunktionen und Gebühren dar und beantragte das Oberrabbinat für das ganze Großherzogtum Berg. Hiervon riet der Düsseldorfer <a href="Maire" title="Maire">Maire</a> <a href="Maximilian_August_von_Scharfenstein_genannt_von_Pfeil" title="Maximilian August von Scharfenstein genannt von Pfeil">Maximilian August von Scharfenstein genannt von Pfeil</a> in einem Gutachten vom 9. November 1809 ab, weil dem Rabbiner „das allgemeine Urtheil, wohl Rechtschaffenheit, aber ihm durchaus kein[en] Geist, oder sonst nöthige Fähigkeiten zuspricht“. Auch habe er, voll von Vorurteilen, sich jüngst gegen die Reform des Begräbniswesens aufgelehnt. Weiter heißt es dort: Scheuer „ist ein alter finsterer Mann, an die 70 Jahr, der zu wenig Bildung hat, als daß er seine Gemeinde-Gliedern durch Gottesdienstliche, oder auch durch Gelegenheits-Reden erbauen könnte, er versteht nicht einmal die Deutsche Sprache, um sich in derselben seiner Zuhörer vertraulich zu machen“. Scheuers Personalie zog sich hin. Erst ab 1811 bewilligte ihm der bergische Innenminister <a href="Johann_Franz_Joseph_von_Nesselrode-Reichenstein" title="Johann Franz Joseph von Nesselrode-Reichenstein">Johann Franz Joseph von Nesselrode-Reichenstein</a> das Gehalt für das rechtsrheinische Drittel des früheren Herzogtums Jülich-Berg.
</p>

<p>In jenem Jahr hatte er die Ehre, gemeinsam mit einem katholischen und einem evangelischen Geistlichen <a href="Napoleon_Bonaparte" title="Napoleon Bonaparte">Napoleon Bonaparte</a>, den Kaiser der Franzosen und Regenten des Großherzogtums, bei dessen Staatsbesuch in Düsseldorf als Vertreter der Bürgerschaft zu begrüßen. Scheuer, der von der Bürgerschaft zu ihrem Sprecher erkoren war, begrüßte den Kaiser – wohl mit Blick auf dessen <a href="Code_civil" title="Code civil">Code civil</a>, welcher die <a href="J%C3%BCdische_Emanzipation" title="Jüdische Emanzipation">jüdische Emanzipation</a> gefördert hatte – als „neuen <a href="Kyros_II.#Kyros_in_der_Bibel" title="Kyros II.">Cyrus</a>“. Darauf soll dieser geantwortet haben: „Vor Gott sind alle Menschen Brüder. Sie sollen einander lieben und helfen, ohne Rücksicht auf die Verschiedenheit des Glaubens.“<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Überliefert ist, dass Scheuer als großer Gelehrter galt und eine große Zahl von Schülern ausbildete. Seine Stadtgemeinde von gut 200 Seelen habe er friedlich zu entwickeln und durch schwierige Zeiten zu führen gewusst. Am 24. März 1792 konnte er die klassizistische <a href="Alte_Synagoge_(D%C3%BCsseldorf)" title="Alte Synagoge (Düsseldorf)">Düsseldorfer Synagoge</a> einweihen, die ab 1790 nach Plänen von <a href="Peter_Joseph_Krahe" title="Peter Joseph Krahe">Peter Joseph Krahe</a> – samt seiner Rabbinerwohnung im Vorderhaus – an der <a href="Kasernenstra%C3%9Fe_(D%C3%BCsseldorf)" title="Kasernenstraße (Düsseldorf)">Kasernenstraße</a> errichtet worden war. Im Februar 1798 beschnitt er dort den späteren Schriftsteller <a href="Heinrich_Heine" title="Heinrich Heine">Heinrich Heine</a>, einen Cousin seines Schwiegersohns Joseph Lambert Cohen (1763–1809). Am 26. Februar 1808 weihte er als bergischer Landesrabbiner die Essener Synagoge an der II. Weberstraße ein.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Mit seinem linksrheinischen Amtskollegen, dem Konsistorial-Oberrabbiner <a href="L%C3%B6b_Carlburg" title="Löb Carlburg">Löb Carlburg</a> in <a href="Krefeld" title="Krefeld">Krefeld</a>, pflegte Scheuer einen „regen wissenschaftlichen Verkehr“. Zu seinem Tod lobte ihn dieser in Trauerreden, die 1886 gedruckt wurden. Nach dem Wunsch der Düsseldorfer Gemeinde sollte Carlburg nach dem Tode Scheuers den Krefelder Sprengel mit dem Düsseldorfer vereinigen und seinen Sitz in Düsseldorf nehmen. Obwohl Carlburg die verwaiste Gemeinde in Düsseldorf zu rituellen Fragen weiter beriet, war er auch nach Verhandlungen nicht dazu bereit, den Wunsch der Düsseldorfer Gemeinde zu erfüllen, wohl wegen deren damals zerrütteten Verhältnissen. Scheuers Rabbinat blieb bis zum Amtsantritt von <a href="Jacob_Rosenberg" title="Jacob Rosenberg">Jacob Rosenberg</a> im Jahr 1837 vakant.
</p><p>Scheuer war verheiratet mit Henriette Schiff aus Frankfurt am Main. Vögele, die Tochter des Paars, heiratete Joseph Lambert Cohen, den Sohn von Liebermann Cohen und Jente van Geldern (~1722–1784), einer Schwester des Arztes und jülich-bergischen Judenschaftsvorstandes <a href="Gottschalk_van_Geldern" title="Gottschalk van Geldern">Gottschalk van Geldern</a> sowie Enkelin des jülich-bergischen Hoffaktors <a href="Joseph_Jacob_van_Geldern" title="Joseph Jacob van Geldern">Joseph Jacob van Geldern</a>.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Abraham (1787–1863), der Sohn Scheuers, wurde Kaufmann und heiratete Henrietta Haas aus Arnheim. Zu deren Kindern zählte Leonhard Scheuer (1828–1891), zusammen mit Daniel Fleck (≈1823–1896) Teilhaber des Düsseldorfer Bankhauses <i>D. Fleck &amp; Scheuer</i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Zitat">Zitat</h2></div>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Er war ein grosser Gelehrter (ein Korb voller Bücher), bescheiden und demüthig, bekleidete das Amt eines Land-Rabbiners von Jülich-Berg, später des Grossherzogtums Berg, allein 42 Jahre lang zum Heil und Segen der Gemeinde, deren friedliche Entwickelung er in schwierigen Zeiten zu fördern wusste, hielt Viele von der Sünde zurück, bildete eine grosse Zahl von Schülern aus, von denen viele wieder selbst ein Rabbinat bekleideten. Er lebt im Andenken der Gemeinde fort durch die vielen schönen Lehren und Forschungsresultate, welche an seinem Namen geknüpft sind, und durch den frommen Lebenswandel, den er stets geführt hat.“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261921330">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


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/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><span class="Person h-card">Memoriale der jüdischen Gemeinde nach: Abraham Wedell: <i>Geschichte der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs</i>.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></span></div></div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Abraham_Wedell" title="Abraham Wedell">Abraham Wedell</a>: <i>Geschichte der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs</i>. In: <a href="D%C3%BCsseldorfer_Geschichtsverein" title="Düsseldorfer Geschichtsverein">Düsseldorfer Geschichtsverein</a> (Hrsg.): <i>Geschichte der Stadt Düsseldorf in zwölf Abhandlungen. Festschrift zum 600jährigen Jubiläum</i>. Verlag von C. Kraus, Düsseldorf 1888, S. 230 f. (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/stream/bub_gb_MW8hAAAAMAAJ#page/n237/mode/2up">Digitalisat</a>).</li>
<li><i>Scheuer, Löb (hebr. Juda-L.)</i>. In: <i>Biographisches Handbuch der Rabbiner</i>. Band 1, Teil 2, Nr. 1575, S. 782 (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://steinheim-institut.de:50580/cgi-bin/bhr?id=1575">Digitalisat</a>).</li>
<li><a href="Bastian_Fleermann" title="Bastian Fleermann">Bastian Fleermann</a>: <i>Die Düsseldorfer Rabbiner. Von den Anfängen 1706 bis zur Auflösung der Synagogengemeinde 1941</i> (= Kleine Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Band 7, hrsg. vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte e. V. und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Düsseldorf e. V.). Droste Verlag, Düsseldorf 2016, ISBN 978-3-7700-6018-4, S. 48 f.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/finde/langDatensatz.php?urlID=8038&amp;url_tabelle=tab_person"><i>Scheuer, Löb (Juda-L)</i></a>, Personendatenblatt im Portal <i>lwl.org</i></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Hugo_Bieber" title="Hugo Bieber">Hugo Bieber</a>: <i>Heinrich Heine. Jüdisches Manifest. Eine Auswahl aus seinen Werken, Briefen und Gesprächen</i> (= 2., erweiterte Auflage der Confessio Judaica). Rosenberg, New York 1946 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=mrsSAAAAMAAJ&amp;q=Judah+L%C3%B6b+Scheuer&amp;dq=Judah+L%C3%B6b+Scheuer&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwigoqC2mIXtAhXE2aQKHRTEBoAQ6AEwBnoECAYQAg"><i>Google Books</i></a>)</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Elfi_Pracht-J%C3%B6rns" title="Elfi Pracht-Jörns">Elfi Pracht-Jörns</a>: <i>Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen</i>. Teil II: <i>Regierungsbezirk Düsseldorf</i> (= Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland, Band 34.2). J. P. Bachem, Köln 2000, ISBN 3-7616-1444-6, S. 108</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Joseph_Anton_Kruse" title="Joseph Anton Kruse">Joseph A. Kruse</a>: <i>Heine-Zeit</i>. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart und Weimar 1997, ISBN 978-3-476-01529-7, S. 15 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=OJ28DQAAQBAJ&amp;pg=PA15&amp;dq=L%C3%B6b+Scheuer&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwjWqaeiyYTtAhUIvaQKHbYxC6MQ6AEwCHoECAYQAg#v=onepage&amp;q=L%C3%B6b%20Scheuer&amp;f=false"><i>Google Books</i></a>)</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Heinrich_Ferber" title="Heinrich Ferber">Heinrich Ferber</a>: <i>Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf</i>. C. Kraus, Düsseldorf 1889. Reprint: Triltsch, Düsseldorf 1980, II. Band, S. 100 [Casernenstrasse].</span>
</li>
</ol>
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